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Schulanfang in Zeiten des Krieges

Veröffentlicht am 03.09.2023 in Europa

Rede Dr. Dorothee Schlegel - Ukraine Mahnwache in Mosbach

Gestern, am 1.9. begann das neue Schuljahr in Russland. Allerdings sieht der neue Stundenplan nun ganz anders aus. Denn es soll ab jetzt ein Unterrichtsfach „Ästhetik der militärischen Kultur“ geben.  Inhalte sind: Disziplin und Patriotismus und der Umgang mit der Limonka.

Limonka bedeutet „kleine Zitrone“, ist aber Synonym für eine im Zweiten Weltkrieg verwendete Handgranate. Sie hat eine gelb-grüne Stahlhülle, wiegt ungefähr 600 g und enthält 60 g Sprengladung.

Die Schülerinnen und Schüler sollen nun nicht nur deren Bauart kennen lernen, sondern auch, wie man sie anwendet.

Das Fach „militärische Grundausbildung“ wurde 1991 abgeschafft. Nun wird es zum neuen Schuljahr wieder eingeführt und zwar als Pflichtfach an staatlichen Schulen. Das bedeutet: mit Kleinkaliberwaffen und Luftgewehr schießen zu lernen, und zwar mit echten Patronen.

Begründet wird dies vom russischen Aufklärungsministerium, wie das Kultus- oder Bildungsministerium genannt wird, damit, dass die USA die russische Staatlichkeit zerstören wollen.

Die Jugend solle frühzeitig lernen, stolz auf das eigene Land zu werden. Und es als Pflicht empfinden, dieses Land zu verteidigen. Lehrkräfte und Offiziere sollen den Schülern nun das Gefühl der Treue zum eigenen Vaterland vermitteln, damit diese stets bereit zum Dienst am Staat sein werden.

Der Kreml, der sich von allen Seiten bedroht fühlt, führt auch Programme für die Kleinen im Kindergarten ein. Dort wird weitergegeben, dass die Feinde Russlands die blühende Entwicklung des Landes stoppen wollen und das Land zerstören. Sie üben das Marschieren und lernen „patriotische“ Lieder.

Erstklässler sollen bereits über die Hauptursachen des Krieges unterrichtet werden. Dieses Fach nennt sich „Stunde des Friedens“. Für Schüler ab der zehnten Klasse beginnt ab nächster Woche die militärische Grundausbildung als Teil des Schulfaches „Grundlagen der Lebenssicherheit“. Zweimal pro Woche findet theoretischer Unterricht statt. Dazu kommen praktische Übungen in den Kasernen. Soldaten, die im Krieg gegen die Ukraine kämpfen, werden dabei als Dozenten zur Verfügung stehen.

Das Ministerium überlässt es den einzelnen Schulen, dieses Fach bereits ab Klasse fünf, also für ab Elfjährige einzuführen.

Die ab 15-jährigen Schülerinnen und Schüler lernen nun den Umgang mit Waffen, den Einsatz von Gasmasken und Atemschutzgeräten und den Einsatz von Granaten. Sie lernen auch, wie man Gewehre auseinandernimmt und wieder zusammensetzt und wie man mit ihnen schießt.

Sie lernen auf dem Schulhof zu marschieren, zu salutieren und heben bei Exkursionen Schützengräben aus. 

Die Mädchen sollen als Ersthelferinnen ausgebildet werden.

Aus dem Ministerium heißt es: die Schulen sollen dabei keineswegs militarisiert werden. Den Kindern werde lediglich beigebracht, wer Chef und wer Untergebener sei. Befehl sei eben Befehl und Diskussionen sind unnötig.

Weder Eltern noch Lehrer protestieren. Viele im Land fügen sich – auch wenn es um die (eigenen) Kinder geht. Denn auch während der Sommercamps in den drei Monate andauernden Sommerferien haben häufig bereits militärische Übungen für die Jugendlichen stattgefunden, allerdings bislang nicht verpflichtend.

Neu wird auch das einheitliche Geschichtsbuch ab dem Schuljahr 2024/25 sein. Eine freie Auswahl des Unterrichtsmaterials im Fach Geschichte wird untersagt. Das neue Geschichtsbuch preist die (frühere) Sowjetunion, rehabilitiert den Diktator Stalin und beschreibt Wladimir Putins „militärische Spezialoperation“ als notwendig.

Auf der Titelseite findet sich die Abbildung der Krimbrücke, Russlands von der Ukraine nun immer wieder beschossenes Prestigeobjekt und eine Rakete.

Der Sprachstil ist zudem grundlegend anders: Die Autoren sprechen die Schüler*innen direkt an, dass auf ihnen eine große Verantwortung liege, die Geschichte des russischen Staates zu bewahren und sich gegen die Geschichtsperversion der USA zu wehren.

Denn die Feinde im Ausland hätten das positive Bild des eigenen Landes zu zerstören versucht.  Zudem hätte das Erfolgspotenzial der (ehemaligen) Sowjetunion sich nur deshalb nicht entfalten können, weil die Feinde aus dem Westen stets daran gehindert hätten. Die 1990er Jahre werden nun als problematisch dargestellt und Michail Gorbatschow als einer, der nichts von der Führung eines Landes verstanden habe.

Erst mit Putin habe Russland sich wieder stabilisiert.  Im neuen Geschichtsbuch sind auch Ausschnitte aus Reden Stalins und Putins abgedruckt. Auf über 30 Seiten wird Russlands Sichtweise auf die „Militärische Spezialoperation“ dargelegt.

Darin heißt es: „Die Ukraine sei ein ultranationalistischer Staat. Mehrere Generationen von Ukraine*rinnen seien in Feindschaft gegen Russland zu neo- nazistischen Ideen erzogen worden. Daher seien die USA nun bereit, bis zum letzten Ukrainer gegen Russland zu kämpfen . Das sei ihr Business-Modell. Russland aber sei ein wahrhaftes Land der Möglichkeiten“.

Diese und ähnlich Sätze werden auch tagtäglich in den staatlichen russischen Medien verbreitet, werden millionenfach gehört und prägen sich nach und nach in die Köpfe der Erwachsenen und Kinder ein.

Wer nie kritisches Denken gelernt hat, der wird solche Einstellungen zudem kaum hinterfragen können. Und hinterfragen ist auch nicht erwünscht.

Allerdings gibt es eine kleine Lösung für die Eltern: Sie nehmen ihre Kinder von den staatlichen Schulen. Denn in Russland ist Haus- Unterricht und Selbstfreilernertum erlaubt. Alle anderen Schüler treten nun seit gestern an.

Und dann war auch Einschulung in der Ukraine. Viele Familien haben sich diesen besonderen Tag nicht nehmen lassen, mit ihren Erstklässlern zu den Schulen zu gehen. „Natürlich ist es nicht ungefährlich – aber es ist ein so wichtiger Tag für unsere Kinder“, war zu hören. Und nicht nur ein Kind wünscht sich den Unterricht im Klassenzimmer zurück. Homeschooling ist einfach nicht so toll. In vielen Schulen gibt es inzwischen auch im Keller Tische und Stühle, um dort weiterzulernen, wenn es heißt, in die Schutzräume zu gehen.

Mit Blick auf uns hier erinnere ich an die Ausführungen von Andreas Klaffke vor einiger Zeit zum Selbstverständnis des Gemeinschaftskunde-/und Politikunterrichts an unseren Schulen. Den Schüler*innen soll nicht nur Sachwissen über politische und gesellschaftliche Vorgänge vermittelt werden, sondern es soll ihnen ein tieferes und vernetzteres gesellschaftliches Verständnis für das Wesenhafte von Politik und damit von Rechtsstaat, Demokratie und unserem Zusammenleben ermöglicht werden. 

Das Ziel, nicht nur von Schule, sondern von Bildung, wie wir es sehen, ist, den jungen Menschen den Weg zu ebnen, hin zu mündigen selbstbewussten Menschen, die ihre Rolle und ihre Aufgabe in Freiheit finden können und sich kritisch mit unserer Gesellschaft auseinandersetzen, aber auch daran mitarbeiten,  dass die erarbeiteten, erkämpften und erworbenen Freiheiten erhalten bleiben.

Daher – nicht nur für die Schule, sondern für das Leben lernen wir, für ein lebens- und liebenswertes Leben in Frieden und Freiheit.

Dr. Dorothee Schlegel

Kreisvorsitzende

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