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Neckar-Odenwald-Kreis

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Roter Rettich - Politischer Stammtisch Buchen

Veröffentlicht am 30.10.2024 in Ortsverein

Dr. Valentin Hoß (Kreisrat)

Sicherstellung der medizinischen Versorgung im Neckar-Odenwald-Kreis

Beim letzten Stammtisch „Roter Rettich“, der politischen Diskussionsrunde des Buchener SPD-Ortsvereins, hat Dr. Valentin Hoß, Mitglied des Kreistages, einen überaus informativen Vortrag zum Thema „Sicherstellung der medizinischen Versorgung im Neckar-Odenwald-Kreis“ gehalten. Nahezu täglich gebe es im medizinischen Bereich  immer mehr negative Schlagzeilen wie zum Beispiel: Defizite im 8-stelligen Bereich bei den Kliniken, Schließung des kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes und lange Wartezeiten, um einen Termin zu bekommen. Dies gebe Anlass darüber nachzudenken, wie und in welche Richtung die jetzt existierenden Strukturen verändert werden müssten. Ziel solcher Strukturänderungen müsse sein, auch langfristig in unserem Landkreis eine gute medizinische Versorgung garantieren zu können. Zu beachten seien dabei auch bestehende gesetzliche Regelungen wie der in § 39 des Sozialgesetzbuches festgeschriebene Grundsatz „Ambulant vor stationär“. Danach haben Versicherte den Anspruch auf vollstationäre Behandlung, wenn sich das Behandlungsziel nicht durch teilstationäre oder ambulante Behandlung erreichen lässt. Ein überaus wichtiger Punkt sei es, hierbei die Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung nachhaltig zu verbessern. Die Entwicklung der Bevölkerung im Neckar-Odenwald-Kreis spiele bei den Überlegungen zur Umstrukturierung eine ganz wesentliche Rolle. Ebenso die Altersstruktur der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Zuverlässige Erhebungen zum demographischen Wandel besagen, dass die Bevölkerungszahl in unserem Landkreis bis 2045 weitgehend konstant bleibt. Eine starke Zunahme ist dabei bei den Einwohnern ab 67 und speziell der Altersgruppe ab 80 zu verzeichnen. Dies habe zur Folge, dass hier mit einem wachsenden Versorgungsbedarf von älteren Menschen und Menschen mit chronischen Krankheiten zu rechnen sei. Dies erfordere ein höheres ambulantes, abgestimmtes Angebot an Prävention, Kuration, Rehabilitation und Pflege. Hier stelle sich die Frage, so Dr. Hoß, wie es um die aktuelle und zukünftige hausärztliche Versorgung im Landkreis stehe. Als erstes präsentierte er dazu Zahlen zur Altersstruktur der Hausärzte. Bereits heute sei ein deutlicher Rückgang an Allgemeinärzten zu verzeichnen.  Ursache dafür sei in erster Linie die Überalterung der Hausärzte und der im ländlichen Raum eklatante Mangel an potentiellen Nachfolgerinnen und Nachfolger. Berücksichtigen müsse man an dieser Stelle die signifikante Verschiebung von männlichen Studienabgängern hin zu weiblichen Studienabgängerinnen.  Der Frauenanteil liege derzeit bei ungefähr 60 %. Es überrascht daher nicht, dass ein Anteil von ca. 30% der Ärzte/innen in Teilzeitarbeit sind. Der Spagat zwischen Familie und Beruf ist in dieser Konstellation bedeutend einfacher zu bewältigen. Entsprechend hat sich die Zahl angestellter Ärzteinnen und Ärzte zwischen 2012 und 2022 bundesweit mehr als verdoppelt. Diese Tendenz führe dazu, dass es an immer weniger Standorten als bisher Angebote für eine ambulante Versorgung gebe und mit einem anhaltenden Schrumpfen der Hausarztpraxen zu rechnen sei. Es stelle sich allerdings schon die Frage, wieso kleine, attraktive Städte mit qualifizierten Angeboten an Schulen und beruflichen Ausbildungsangeboten für viele junge Ärztinnen und Ärzte keine Alternative darstellten zu größeren Städten mit vielfältigeren Angeboten an Kultur, Events und Einkaufsmöglichkeiten, die aber oft gar nicht genutzt würden.

Was die Situation der Hausarztpraxen vor Ort anbelange, so stehe das Mittelzentrum Buchen im Vergleich zu anderen Städten im Kreis, wie zum Beispiel zu Mosbach im Augenblick noch gut da. Dies sei in erster Linie den in Ruhestand gegangenen Hausärzten zu verdanken, die sich frühzeitig um eine Nachfolgeregelung bemüht hätten. In fünf bis sechs Jahren werde sich dies jedoch auch hier spürbar ändern. Im Facharztbereich sei mittelfristig eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Die Lösung für Dr. Hoß besteht daher, angesichts der deutlich veränderten „Work-Life-Balance“ jüngerer Ärztinnen und Ärzte, in der kommunal geförderten Schaffung zentraler Medizinischer Versorgungszentren mit Satellitenpraxen in der Umgebung, um einerseits den Bedürfnissen der Ärzteinnen und Ärzte, andererseits den medizinischen Notwendigkeiten einer immer älter werdenden Bevölkerung gerecht zu werden. Abschließend äußerte sich Dr. Hoß zur Situation der Neckar-Odenwald-Kliniken. Wie bei vielen anderen Kliniken dieser Größenordnung lägen die Defizite bis im achtstelligen Bereich und müssten zum Tteil über die Kreisumlage finanziert werden. Bei fehlender, zusätzlicher finanzieller Unterstützung von Bund und Land müssten daher auch vor Ort alle Optionen einer medizinischen und wirtschaftlichen Optimierung der stationären Versorgung nochmals offen, sachlich und ehrlich diskutiert werden. Der Landkreis habe „eine Klinik an zwei Standorten“ mit dem Anspruch einer wohnortnahen Versorgung. Das Beispiel „Geburtshilfe“ zeige jedoch, dass dieser Anspruch nicht mit den realen Gegebenheiten übereistimme. Junge Frauen, zum Beispiel aus Aglasterhausen, müssten im Bedarfsfall zur Entbindung nach Buchen fahren. Daher sei eine ergebnisoffene Diskussion bezüglich der zukünftigen strategischen Ausrichtung der Kliniken hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Patientennähe und Medizinischer Qualität zwingend erforderlich. Dr. Eberhard Barth bedankte sich abschließend beim Referenten sowie den Gästen am Tisch und teilte mit, dass der nächste Stammtisch am 27. November stattfinden werde.

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